#DIY

Liebe Alle


Sagen wir es mal so: Gar nicht allzu lange her, so vor ein paar Jahren noch, waren wir bei absolut gar niemandem auf dem Radar. Jetzt stehen wir


KNÖCHELTIEF IM WASSER IN DEN WEST INDIES, SONNE IM ZENITH, ALLES GLÄNZT TÜRKIS!

Ist für den gemeinen Mann bzw. die gemeine Frau natürlich so nicht nachvollziehbar (und eben,ich hatte das Influencermoney, das mich definitiv über Wasser hielt, von daher hielt sich der Schmerz in Grenzen), aber ich bin mir sicher, wenn man eine Karriere macht wie Trettmann (übrigens, für den nichtgeneigten Leser, der Verfasser obenstehender wunderbarer Zeilen), und zuerst mal 20 Jahre Musik schaufelt wie ein Hohler, ohne dass es irgendeine Sau interessiert, und dann innerhalb von gefühlten 18 Monaten zu einem der meistgehypten deutschen Künstler der Jetztzeit wird (mind you, der Mann hat Jahrgang 1973), dann braucht man eine Minute, um zu verarbeiten, was (jetzt plötzlich doch noch) mit einem geschieht.


Die www.zeit.de hat diese wunderbaren Zeilen über Trettmanns wunderbares (ach was, wunderbar, das ist FANTASTISCH) Album "#DYI" geschrieben:
Trettmann ist ein Liedermacher am Laptop. Jetzt gilt es, #DIY zu entdecken, bevor findige Pädagogen das Album in die Hände bekommen und die Analyse von Grauer Beton ins Abitur-Curriculum der Deutsch-Leistungskurse aufgenommen wird. Das wäre bedauerlich, weil es den Song für kommende Generationen verderben würde. Es wäre aber auch verdient, denn er gehört zum Besten, was wir dieses Jahr in deutscher Sprache hören werden.
Und damit die Zeit natürlich sowas von Recht, das ist so absolut einleuchtend richtig, gibt es nichts mehr zu sagen. Und genau darum will ich hier auch nicht in den allgemeinen Trettmann-Lobgesang einstimmen, sondern vielmehr feststellen, wie 2017 das Jahr der älteren Männer wird - man überlege: Jay-Z, Trettmann, Baze, Shape - ich sehe da längst ein Pattern. Und es ist lustig, weil diese vier Musiker (und wahrscheinlich noch tausend andere) ein ganz wichtiges Element verbindet, nämlich dass sie trotz ihres fortgeschritteneren Alters nicht pathetic werden (wie Jay-Z das doch für eine Sekunde oder zwei war; yeah I said it). Was uns zum Thema bringt:


Grundsätzlich ist es ja eine der grössten Schwierigkeiten von urbaner Musik, seine eigene Würde zu bewahren oder zu finden. Als junger Player kann man würdelos sein, weil man ist jung und gleich alt wie die Fans, die ebenfalls würdelos sind und fürs Exil noch den Schülerausweis von Brudi mitnehmen, das ist alles völlig okay und auch cool und hat Energie und so weiter. Wird man aber älter, entwächst man ja notgedrungenermassen ein bisschen seiner Zielgruppe (was übrigens ebenso sehr ein Fehler der Fans wie auch der Künstler ist; Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie oft ich den Übergang von "Rap? Meinst so 'Yoyoyoyoyo?-Zeug?" zu "Ich find 50 Cent voll geil" zu "Hey, ich höre jetzt Disco und Berlin House, mag dieses Hip Hop Ding nicht mehr so" miterlebt habe). Wenn man aber seiner Zielgruppe entwächst, dann macht man häufig den Fehler, dass man verkrampft versucht, trotz fortschreitenden Alters nach wie vor die neuen (wiederum zielgruppenrelevanten) Kids mit seiner Musik zu versorgen. Und dann hat man ein doppeltes Problem: man ist nicht mehr jung und hat aber in seiner Musik auch keine Würde erlangt, was eine der schrecklichsten Kombinationen für Menschen überhaupt ist. Darum gilt (und das ist wohl das schwierigste Ding auf der Welt): Wer älter wird (das sind die meisten) und trotzdem noch Musik machen will, der muss halt in Gottes Namen darauf achten, dass er das altersgerecht machen kann. Der gute Mimiks hat mir mal gesagt (das war vor wenigen Wochen erst), dass er von jemandem wie mir (und ich werde in drei Wochen ja auch schon 23...) auch andere Musik wolle als z.B. von Pronto. Letzterer kann den autogetunten Banger gerne schreiben, aber wenn ich den schreibe, dann wird es würdelos und damit auch extrem peinlich (und schlecht, last but not least). Von mir erwartet man (er) eben andere Musik, Mimiks nannte das eine "Message" aber meinte damit nicht verkrampften Zeigefingerrap, sondern einen Takeaway, ein Thema, halt irgendwas ausser Leim im Becher. Das heisst nicht, dass man in höherem Alter nicht mehr ab und zu den Kindskopf mimen kann, aber das muss alles in einem bestimmten Rahmen stattfinden.
K


Und darin liegt auch die Erklärung, warum BOTOX FÜRS HERZ sehr anders klingt als "Nitroglyzerin" und "Thank God It's Monday", die beiden Platten mit Kackmusikk. Ich wollte was anderes sagen, auch was anderes darstellen, als auf den vorherigen Platten, und wenn ich das über Kackmusikks Monsterbretter gemacht hätte, dann hätte das ein Klangbild ergeben, als hätte ein Düsentraktor ein Kängurubaby überfahren (nicht dass ich wüsste, wie das klingt, but you get the idea). Ich musste einen anderen Klangteppich haben, auch einen Klangteppich, den ich zu meistern und zu kontrollieren vermochte. Ich hoffe mal, das sei einigermassen gelungen, auch mit Würde.




P.S.: Ich habe bis jetzt 19 Subscriptions via Mail, aber jenste von Euch müssen anscheinend noch die Subscription bestätigen. Läuft eben schon, dieses Blogging.


Enjoy.

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